Das Wasser
(Texte zusammengestellt
von Hartmut Meyer)
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Wasser hat nicht nur eine Naturgeschichte, es hat auch eine
Kulturgeschichte.
Einst zählte das Wasser zu den vier klassischen Elementen,
von denen der Mensch glaubte, die Erde aufgebaut sei. Wenngleich
die Naturwissenschaften diese Vorstellung seit langem widerlegt
haben, bleibt das Wasser die lebenswichtigste aller chemischen
Verbindungen für alle Lebewesen.
Dies ist der Punkt, an dem philosophiert werden kann: Jeder
Stoff, so auch das Wasser, hat eine Dichte, ausgedrückt
in Kilopond/Kubikdezimeter [kp/dm]. Diese Dichte - oftmals
in der Umgangssprache auch als spezifisches Gewicht bezeichnet
- ist von der Temperatur abhängig. So nimmt die Dichte
bei allen Stoffen mit abnehmender Temperatur zu - mit einer
Ausnahme: dem Wasser. Dieses hat seine größte Dichte
bei einer Temperatur bei 4 Grad Celsius [°C] und bei niedriger
Temperatur nimmt die Dichte wieder ab. Wir kennen alle die
Eisschichten auf Seen und anderen Gewässern im Winter.
Würde das Wasser sich genauso verhalten wie alle andern
Stoffe und bei sinkender Temperatur immer "schwerer" werden,
würden die Gewässer von unten nach oben zufrieren
- und das Leben müßte absterben. Da fragt man sich
schon, wer hatte diese kluge Idee bei der "Erfindung" des
Wassers?!
Dieses Verhalten wirkt sich nicht nur im Winter, sondern auch
in der warmen Jahreszeit aus. Stehende Gewässer sind deshalb "geschichtet",
das heißt die Wassertemperatur nimmt mit größerer
Tiefe bis auf eine Temperatur von 4°C ab und steigt darunter
wieder an, ein Phänomen, das leicht in einem Baggersee
beim Schwimmen gefühlt werden kann. Diese Grenzschicht
bei 4°C wird als "Sprungschicht" bezeichnet.
Ein Austausch von tiefer und höher gelegenem Wasser findet
deshalb nur minimal statt. Nun würden die tiefsten Wasserschichten
mit der Zeit gesättigt mit Abbauprodukten von eingetragenen
organischen Verbindungen, der Sauerstoff wird aufgezehrt, Faulgase
(wie z. B. in Mooren) würden aufperlen und als Ozonkiller
in die Atmosphäre aufsteigen. Doch wieder beweist die
Natur, wie sich ein funktionierendes Ökosystem reguliert.
Frühjahrs- und Herbststürme wühlen die Gewässer
mächtig auf und "schichten" das Tiefen- und
das Oberflächenwasser um, tragen so neuen Sauerstoff in
die Tiefe und unterhalten damit die Mikroorganismen, die dort
den Abbau des organischen Materials besorgen.
Während selbst Forscher wie Liebig die Beteiligung von
Mikroorganismen am Abbau des organischen Materials leugneten,
fanden im 19. Jahrhundert immer mehr Forscher die Selbstreinigungskraft
des Wassers faszinierend - die Chemiker erkannten die verschmutzenden
Giftstoffe, die Biologen erkannten die Lebewesen, die vom Schmutz
lebten und ihn umsetzten, Zoologen erkannten das unterschiedliche
Wachstum tierischer Lebewesen durch veränderte Nahrungsangebote.
So bildetete sich die Wissenschaft der Limnologie, die Wissenschaft
der Gewässer.
Wasser ist ein "freies" Gut der Natur, es wird nicht
verbraucht sondern nur gebraucht. Und es ist ein knappes Gut,
auch wenn uns dies nicht auffällt, wenn wir den Wasserhahn öffnen
oder im Schwimmbad uns erholen. Doch Nachrichten über
Dürrekatastrophen, über ein unzureichendes Angebot
an trinkbarem Wasser in vielen Regionen unserer Welt erreichen
uns jedes Jahr aufs neue.
Wieso ist das Schwimmbadwasser ‘schmutzig',
wo die Badenden doch vorher duschen?
Nun da ist zu einem der Eintrag aus der Luft, der nicht unterbunden
werden kann. Es fallen Blätter in das Wasser oder Vögel
nutzen die Fläche - wenn der Badegast bereits gegangen
ist. Und der Badende selbst? Bis zu 94 mg (0,0094 g) Phosphor
trägt er selbst pro Tag in das Badewasser ein. Diese geringe
Nährstoffmenge mal Anzahl der Besucher kann also schnell
zu einem großen Nährstoffangebot im Wasser und damit
zu einer Eutrophierung (einer ‘Überdüngung')
führen, die nun durch vermehrtes Wachstum zu einer weiteren
Phosphorbelastung beiträgt. In einem eutrophierten See
sinkt durch das Massenwachstum der Algen schnell die Sichttiefe
(nach der EU-Badegewässerrichtlinie (RICHTLINIE 76/160/EWG
(1976): Richtlinie des Rates über die Qualität der
Badegewässer) muss sie mindestens 1 m betragen). Gleichzeitig
steigt der pH-Wert (= ein Verhältnis der vorhandenen Wasserstoffionen,
ein ausgewogenes, neutrales Verhältnis hat dem Wert 7,
darunter wird das Wasser ‘sauer', darüber ‘basisch')
bis über den Wert 9, den die EU-Badegewässerrichtlinie
als Grenzwert festgelegt hat. Damit steigt die Gefahr von Hautproblemen
bei empfindlichen Menschen wie auch des Massenwachstums von
Blaualgen (Cyanobakterien), die Giftstoffe ausscheiden. Zudem
schleppen wir Menschen immer eine große Anzahl Keime
und Bakterien mit uns herum und geben sie beim Schwimmen teilweise
in das Wasser ab. Die meisten dieser Keime und Bakterien sind
jedoch harmlos oder gar für die Gesundheit notwendig.
Deshalb muß Wasser nach seiner Benutzung aufbereitet
werden, damit es wieder sauber wie Trinkwasser wird. In technisch
aufwendigen Kläranlagen wird es mit hohen Kosten so weit
gereinigt, dass es ohne Gefahr wieder in den natürlichen
Kreislauf abgegeben werden kann. Doch selbst dann wirkt sich
unsere technisierte Welt weiter auf das Wasser aus. Daher muß es
nun nach seiner Entnahme aus der Natur noch weiter aufbereitet
werden, bevor es als Trinkwasser wieder an uns Verbraucher
abgegeben werden kann. Vor noch nicht allzulanger Zeit waren
Rieselfelder eine Methode, die Reinigungskräfte der Natur
(Boden, Bodenorganismen und Pflanzen) auszunutzen. Mit dem
Anstieg des Wassergebrauchs stieg auch die Landnutzung für
dieses Verfahren an. Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte hinsichtlich
der bei der natürlichen Reinigung ablaufenden Reaktionen
und dem Herausfinden der geeignetsten Pflanzen haben eine Renaissance
der Pflanzenklärung bewirkt und neben der Klärung
häuslicher Abwässer auch einen Eingang in die Reinigung
von genutztem Schwimmbadwasser gefunden - einer nachhaltigen
Methode mit positiven Nebeneffekten.
Dieses Verfahren läßt sich daher auch für
die Reinigung des Wassers in Naturbädern anwenden. Ohne
weiter auf die normmäßigen Definitionen hier einzugehen,
wird der Begriff "Naturbad" auf diesen Seiten für
ein Schwimmbad mit einer Pflanzenklärung verwendet.
Die Pflanzenklärung
Eine Pflanzenklärung nutzt das Reinigungspotential natürlicher Ökosysteme
(z. B. Sandfilter, Feuchtbiotope). Der Begriff "Pflanzenklärung" bezieht
sich eigentlich auf den sichtbaren Teil des Klärbereiches,
denn genaugenommen reinigen die Pflanzen das Wasser nicht,
sondern unterstützen die verschiedenen milieuabhängigen
Vorgänge, die für die Wasserreinigung wichtig sind.
Grundvoraussetzung für eine natürliche Reinigung
ist Sauerstoff. Er wird nicht nur für die Atmung von Tier
und Pflanze benötigt, sondern auch für chemisch-physikalische
Vorgänge, z. B. der Oxidation von Wasserinhaltsstoffen.
Diese ausreichende Sauerstoffversorgung wird durch die Pflanzen
unterstützt. Die Pflanzen durchwurzeln den Boden (Filterschicht)
und vergrößern die Poren im Bodenraum und halten
sie offen. Somit kann das Wasser leichter in den Boden infiltrieren
und die abbauenden Mikroorganismen erreichen. Daneben geben
Pflanzen auch über ihr Wurzelsystem Sauerstoff ab und
schaffen so die Voraussetzungen für die biologische Mineralisierung
von Kohlenstoff.
Hier gilt es nun eine Pflanzenauswahl zu treffen, die dieses
Ziel unterstützen. Bei Seerosen und Schilf beispielsweise
sind die Blätter, der Halm und die Wurzeln durch ein Luftkanalsystem
untereinander verbunden. Die sauerstoffhaltige Luft wird in
der Pflanze bis in die feinsten Wurzelverästelungen transportiert
und dort an die Umgebung abgegeben. Der Sauerstoff trägt
gleichzeitig zu einer Oxidation für die Pflanze giftiger
Stoffe bei. Auch die jungen und alten, teils abgestorbenen
Halme sind durch dieses Luftkanalsystem miteinander verbunden,
so dass es zu einer Ventilation zwischen ihnen kommt, sogar
im Winter, wo die abgestorbenen, teils offenen Halme zur Ventilation
beitragen.
Die Entfernung einzelner Verbindungen, die als Pflanzennährstoff
wirken und beispielsweise zu einer Algenblüte führen
könnten, aus dem Wasser erfolgt auf verschiedene Weise.
Eine dieser Verbindungen sind Stickstoffverbindungen. Sie kann
durch Adsorption an Bodenteilchen, durch Einbau ("Auffressen")
in die Bakterienmasse oder durch Einbau in die Pflanzenmasse
und über Nitrifikation/Denitrifikation eliminiert werden.
In den Pflanzen würden die Stickstoffverbindungen hauptsächlich
im Rhizomsystem gespeichert, durch Abernten kann somit ein
Teil des Stickstoffs dem Kreislauf entzogen werden. Allerdings
füllen Pflanzen nach der Vegetationsperiode ihren Stickstoffvorrat
wieder auf. Insgesamt betrachtet haben die Pflanzen aber nur
einen geringen Anteil an der Stickstoffelimination, da diese
hauptsächlich in den kaum durchwurzelten obersten 10 cm
des Bodens stattfindet.
Ein wichtiger Selbstreinigungsprozess ist die Sedimentation.
Mit dem Absinken der Trübstoffe wird ein Großteil
der Nährstoffe ausgefällt und dauerhaft im Sediment
festgelegt. In flachen Gewässern werden zwar auch Sedimente
gebildet, durch das Fehlen einer Sprungschicht kommt es jedoch
zu einer ständigen Durchmischung der gesamten Wassermasse
bzw. Zu Aufwirbelungen, so dass die Nährstoffe hier immer
wieder am Nährstoffkreislauf teilnehmen.
Die entscheidende Rolle bei der Reinigung des Wassers in der
Pflanzenkläranlage haben jedoch Bakterien und Zooplankton.
Sehr effektiv wirkt sich der Fraßdruck des Zooplanktons
aus, das sind hauptsächlich Wasserflöhe, Hüpferlinge
und Rädertierchen. Diese Tiere ernähren sich bei
ausreichend hohen Individuenzahlen von Algen (Phytoplankton)
und Bakterien (Bakterioplankton), die sie gezielt ergreifen
oder aus dem Wasser filtrieren.
Irgendwo in der Natur gibt es immer Bakterien, die in der
Lage sind, natürlich entstandene organische Verbindungen
abzubauen. So wurden in der Umgebung natürlicher Asphaltseen
entsprechende Bakterien gefunden, selbst im schwefelhaltigen,
fast sauerstofffreien Umfeld von Tiefseevulkanen. All diese
Bakterien leisten die Arbeit der Mineralisierung, sie bauen
die organischen Verbindungen zu Kohlendioxid, Wasser und mineralischen
Salzen ab.
Und diese kleinen Helfer (hört sich fast wie Werbefernsehen
an) sind zahlreich. Im Wurzelbereich einer Schilfbepflanzung
finden sich bis zu 10 Milliarden aerobe Bakterien pro Gramm
Trockensubstanz. |